Ratgeber Winterdienst

Nicht jedes Mittel passt zu jeder Fläche

Bei Glätte greifen viele zum erstbesten Sack aus dem Baumarkt. Dabei unterscheiden sich Streumittel deutlich in Wirkung, Umweltverträglichkeit und Aufwand. Hier finden Sie die wichtigsten Unterschiede und erfahren, womit wir im Winterdienst arbeiten.

Abstumpfende Mittel und Auftaumittel

Streumittel lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Abstumpfende Mittel wie Splitt, Sand oder Granulat schmelzen das Eis nicht. Sie legen sich auf die glatte Fläche und erhöhen die Reibung unter den Schuhen. Auftaumittel wie Streusalz senken dagegen den Gefrierpunkt und lösen Eis und Schnee auf. Welche Gruppe sinnvoll ist, hängt von der Fläche, dem Wetter und den örtlichen Vorgaben ab.

Beide Gruppen haben ihre Berechtigung. Für private Gehwege und Grundstücke schreiben viele Gemeinden jedoch abstumpfende Mittel vor und schränken Salz ein. Maßgeblich ist die Satzung Ihrer Gemeinde.

Splitt und Sand

Splitt ist kantig und greift gut auf festgetretenem Schnee und Eis. Sand ist feiner und wirkt eher auf dünnen Eisschichten. Beide sind gut verfügbar und einfach zu verteilen. Der Nachteil zeigt sich im Frühjahr. Die Körner bleiben liegen, gelangen in Rinnsteine und Gullys und müssen wieder aufgenommen werden. Scharfkantige Körner, die an den Schuhen ins Gebäude gelangen, können außerdem empfindliche Böden im Eingang verkratzen.

Granulat aus Blähton oder Lava

Granulate aus Blähton, Lava oder ähnlichen Materialien sind leichter als Splitt und haben eine raue Oberfläche. Manche Produkte nehmen Feuchtigkeit auf und bleiben dadurch besser auf der Fläche liegen. Einige salzfreie Streumittel tragen das Umweltzeichen Blauer Engel. Auch Granulat muss nach dem Winter entfernt werden, lässt sich aber oft wiederverwenden.

Daneben gibt es Mischungen, etwa Splitt mit einem Anteil Salz. Sie wirken schneller, fallen in vielen Gemeinden aber unter dieselben Einschränkungen wie reines Salz. Achten Sie deshalb auf die Angaben auf der Verpackung und auf die Vorgaben Ihrer Gemeinde.

Übersicht

Drei Streumittel im direkten Vergleich

Die Übersicht stellt Splitt, Granulat und Auftausalz nach Wirkung, Umweltwirkung, Aufwand nach dem Winter und Zulässigkeit gegenüber.

SplittGranulatAuftausalzWirkungabstumpfendguter Halt auf Eisabstumpfendleicht und griffigtaut Eisund SchneeUmweltbelastet Bodenund Pflanzen kaumsalzfrei, teilsmit Blauem Engelschadet Pflanzenund BelägenNach dem Winteraufnehmenund entsorgenaufnehmen, oftwiederverwendbarkeine Körner, abermögliche FolgeschädenZulässigkeitmeist erlaubtmeist erlaubtoft eingeschränktoder untersagt
Schematische Übersicht, die zulässigen Mittel legt die Satzung der jeweiligen Gemeinde fest.

Was Streusalz anrichten kann

Salz wirkt schnell und gründlich, hat aber Folgen. Gelöstes Salz gelangt mit dem Schmelzwasser in den Boden und schädigt Bäume, Hecken und Rasen am Rand der Wege. Hunde reagieren an den Pfoten oft empfindlich. Auch Beton, Natursteinplatten und Fugen können durch wiederholtes Tauen und Gefrieren in Verbindung mit Salz Schaden nehmen. Metall an Fahrzeugen, Geländern und Toren rostet schneller. Auf frisch verlegtem Pflaster und auf Natursteinflächen ist besondere Vorsicht geboten.

Deshalb untersagen oder beschränken viele Gemeinden Auftausalz auf privaten Flächen. Ausnahmen gibt es häufig für besonders gefährliche Stellen wie Treppen oder abschüssige Wege sowie bei Eisregen. Wir setzen Salz nur ein, wenn die Kommune es zulässt.

Schneefräse im Einsatz auf einer verschneiten Fläche

Erst räumen, dann streuen

Streumittel wirken nur, wenn sie auf der Eisfläche liegen und nicht in losem Schnee versinken. Deshalb wird zuerst geräumt und erst danach gestreut. Wer auf eine geschlossene Schneedecke streut, verschwendet Material und schafft keine sichere Fläche. Verteilen Sie das Mittel gleichmäßig und nicht zu dick. Eine zu hohe Schicht aus Splitt kann unter den Füßen wegrollen.

Bei gefrierendem Regen ist die Lage anders. Hier bildet sich Eis direkt auf dem Belag, und abstumpfende Mittel können selbst einfrieren. Dann muss häufiger kontrolliert und nachgestreut werden.

Lagern Sie Streumittel trocken und gut erreichbar. Feuchter Splitt oder feuchtes Granulat verklumpt bei Frost und lässt sich dann kaum noch gleichmäßig verteilen.

Das passende Mittel für Ihre Fläche

Welches Streumittel sinnvoll ist, hängt von der Fläche und ihrer Nutzung ab. Für Gehwege und Zuwege vor Wohnhäusern reichen abstumpfende Mittel meist aus. An Außentreppen, Rampen und Eingängen mit viel Publikumsverkehr kommt es auf guten Halt und regelmäßiges Nachstreuen an. Vor Gebäuden mit empfindlichen Böden im Eingangsbereich ist ein Granulat oft die bessere Wahl als scharfkantiger Splitt. Auf Parkplätzen und Zufahrten zählt vor allem, dass Fahrzeuge anfahren und bremsen können, ohne zu rutschen.

Typische Fehler beim Streuen

Aus unserer Erfahrung im Winterdienst entstehen viele Probleme nicht durch das falsche Mittel, sondern durch die Art, wie es eingesetzt wird. Diese Fehler sehen wir häufig.

  • gestreut wird erst, wenn die Glätte schon da ist
  • das Mittel landet auf losem Schnee statt auf geräumter Fläche
  • Salz kommt zum Einsatz, obwohl die Satzung es untersagt
  • Treppen und Rampen werden vergessen, weil nur der Gehweg im Blick ist
  • Streureste bleiben bis in den Sommer liegen

Streureste im Frühjahr beseitigen

Nach dem Winter liegt auf vielen Flächen eine Schicht aus Splitt, Granulat und Schmutz. Die Reste sollten aufgenommen werden, bevor sie Abflüsse verstopfen oder bei Trockenheit als Staub aufgewirbelt werden. Im Rahmen unseres Winterdienstes nehmen wir im Frühjahr die Streureste auf und reinigen die Flächen. Mit der Gehwegreinigung lässt sich daraus eine Pflege über das ganze Jahr machen.

Wenn Sie unsicher sind, welches Mittel auf Ihrem Grundstück erlaubt und sinnvoll ist, klären wir das bei der Besichtigung. Dabei sehen wir uns auch an, welche Beläge und Pflanzflächen an die Wege grenzen. Wir arbeiten mit abstumpfenden Mitteln wie Splitt oder Granulat und richten uns nach der Satzung Ihrer Gemeinde. Sprechen Sie uns an.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Streumitteln

Ist Sand genauso gut wie Splitt?

Sand ist feiner und wirkt vor allem auf dünnen Eisschichten. Auf festgetretenem Schnee greift kantiger Splitt meist besser. Beide müssen im Frühjahr wieder aufgenommen werden, damit sie keine Rinnsteine, Abflüsse und Gullys verstopfen.

Warum ist Streusalz oft verboten?

Gelöstes Salz gelangt in den Boden und schädigt Bäume, Hecken und Rasen. Es kann außerdem Beton, Naturstein und Metall angreifen. Deshalb schränken viele Gemeinden Auftausalz auf privaten Flächen ein oder untersagen es ganz.

Kann man Granulat wiederverwenden?

Viele Granulate lassen sich nach dem Winter zusammenkehren, trocknen und erneut nutzen. Voraussetzung ist, dass sie nicht zu stark mit Schmutz und Laub vermischt sind. Lagern Sie das Material danach trocken und gut verschlossen.

Wer entfernt die Streureste?

Grundsätzlich ist zuständig, wer auch für die Fläche verantwortlich ist. Wenn Sie uns mit dem Winterdienst beauftragen, gehört das Aufnehmen der Streureste im Frühjahr zum Leistungsumfang. Die Flächen reinigen wir dabei gleich mit.

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